
Unser Herz für Indien
Willkommen in Dehli. Unser Projekt nennt sich
'Jyoti Handicraft' und befindet sich mitten in der Stadt.
Aller Anfang ist schwer
Die Anfänge der Arbeit gehen bis 2005 zurück. Die Arbeit, so wie sie heute besteht, durchlief viele „Reifungs- und Häutungsprozesse“. 2005 entstand die Idee ein Projekt in Delhi zu beginnen, das Frauen in unterschiedlichen vulnerablen Lebenssituationen einen sicheren Arbeitsplatz geben würde, der darüber hinaus auch ihre gesamte Lebenssituation im Blick hat und individuell unterstützt.
Es lag nahe, eine Arbeit im textilverarbeitenden Bereich zu schaffen, da Indien dafür ideale Voraussetzungen hat, mit seiner reichen, vielfältigen Produktion von Textilien. Die Großmärkte mit Stoffen aller Art lagen vor unserer Haustür.
Zunächst waren unsere Mitarbeiterinnen vornehmlich tibetische Flüchtlingsfrauen, die in Indien Schulen besucht hatten und nun nach Möglichkeiten suchten, einen Lebensunterhalt zu verdienen. Im Laufe der Zeit wanderten die Tibeter weiter nach Europa und in die USA, somit rückten indische Frauen nach.

Es ist viel passiert
Inzwischen hat die Arbeit zwei wesentliche Bereiche: Teilnehmerinnen, die eine anderthalbjährige duale Ausbildung im Bereich von Textilverarbeitung bei uns durchlaufen (gefördert mit Spenden der Stiftung Hope) und diejenigen, die eine volle Anstellung erhalten und in Wohngemeinschaften zusammen leben. Die Finanzierung dieser Arbeitsplätze wird weitgehend durch das Projekt erwirtschaftet.
Die Frauen, die inzwischen zu uns kommen, haben in der Regel schweren sexuellen und körperlichen Missbrauch erlebt. Das hat ihnen vielfach ihre Kindheit geraubt. Daher bietet unsere Arbeit weit mehr als nur die Sicherung des Einkommens. Während die Frauen ihrer Arbeit bei uns nachgehen, erhalten sie Lebenshilfe und Beratung. Ebenso unterstützen wir sie dabei, einen Schulabschluss nachzuholen.
Zu unserer Gemeinschaft gehören auch einige Familien mit „speziellen Nöten“. Häufig bieten wir beiden Elternteilen bei uns eine Anstellung an. Wir helfen und unterstützen auch bei Fragen der Ehe und Familienberatung und geben spezielle Unterstützung bei der Kindererziehung.
Wie eine Idee das Leben vieler Frauen verändert hat
Wenn zwei sich zusammentun
Gibt es da ein Unmöglich?

Annerös Maurer (CH)
Christiane Müller (D)
Christiane und Annerös haben sich einfach nicht entmutigen lassen und in Dehli die Arbeit von „Jyoti Handicraft" aufgebaut. Nichts, weder Enttäuschung noch Misserfolg, kein Mangel oder sonst irgendetwas, hat die beiden gehindert, ihrer Vision zu folgen. Ihr Durchhaltevermögen und die Liebe zu den Frauen, denen sie helfen, hat aus den kleinen Anfängen einen vielfältigen Dienst wachsen lassen.
Seit fast 20 Jahren stehen beide nun für ,Jyoti' ein und sie folgen ihrer Mission mit Hingabe und, im wahrsten Sinn des Wortes, mit „Herz und Hirn‘.
Ihr Statement dazu:
„Bei unserer Arbeit in einem Land, dass multiethnisch und multikulturell ist, sind uns Menschen aus jedem Hintergrund willkommen. Für uns selbst ist ein christliches Leitbild Grundlage unseres Handels."



Momente aus Indien
Christiane Müller berichtet aus Delhi

Bei Indien denken die meisten an Hitze, bunte Farben und lebhafte Straßen. Nicht so, wenn man wie ich Anfang Februar in Delhi landet. Am frühen Morgen hängt ein Schleier aus Nebel und Smog in der Luft, der einen schon beim Verlassen des Flughafens umhüllt. Es ist kalt und feucht – also hat sich das Kommen für das Wetter allein nicht gelohnt. Aber darum ging es mir auch gar nicht, sondern um den jährlichen Besuch in unserem Projekt.
In Delhi haben wir über die Jahre in Partnerschaft mit der Stiftung Hope inzwischen mehr als ein Dutzend Frauen ausgebildet. Nicht alle konnten nach der Ausbildung eine Anstellung bei uns finden. Doch viele sind geblieben und helfen inzwischen selbst dabei, die nächsten Teilnehmerinnen des Programms auszubilden.
Darüber hinaus entstehen vor Ort immer mehr Kooperationen mit anderen Organisationen. Diese fragen an, ob Frauen, die sie betreut haben – weil sie Opfer von Menschenhandel wurden –, bei uns einen Ausbildungsplatz finden können. Mit Erreichen der Volljährigkeit müssen diese jungen Frauen in eine Ausbildung oder ein Arbeitsverhältnis integriert werden. Da es nur wenige Projekte in Delhi gibt, die eine solche duale Ausbildung anbieten, erreichen uns zunehmend Anfragen. Unser Projekt für Textilverarbeitung hat sich als besonders attraktives Angebot etabliert.
Besonders freut mich bei jedem Besuch, die persönliche Entwicklung der jungen Frauen zu sehen. Viele holen ihre Schulabschlüsse nach, entwickeln Selbstbewusstsein und heilen innerlich. Die Investitionen, die wir in sie gesetzt haben, zahlen sich vielfach aus, wenn sie von ihrem Leben erzählen.
So berichtete mir Angelique begeistert, dass sie zu Weihnachten einige Tage bei ihren Verwandten gewesen sei. Alle, auch die Tante, hätten sie zur Begrüßung in den Arm genommen. Für Außenstehende klingt das alltäglich, für Angelique war es überwältigend: Früher hatte ihre Tante Angst vor ihr, weil sie HIV-positiv ist. Fünf Jahre lang hatte sie die Familie nicht gesehen. Damals war es ein Glück, dass Angelique in einer Einrichtung für Aids-Waisen untergebracht werden konnte – Körperkontakt war unmöglich. Diese Umarmung jedoch bedeutete für sie die Welt.





